Johannes Bühler – Mind-Body-Coach
Die Wissenschaft hinter dem Lightning Process
Der Lightning Process stützt sich auf aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse über die Mind-Body-Connection, die immer besser erforschte Verbindung zwischen inneren Zuständen und körperlichen Prozessen. Hier findest du einige der spannendsten Erkenntnisse aus der aktuellen Mind-Body-Forschung, welche das wissenschaftliche Fundament des Lightning Process bilden. Auch der Lightning Process selbst wurde bereits mehrfach unabhängig wissenschaftlich untersucht – so in einer randomisierten kontrollierten Studie des britischen öffentlichen Gesundheitsdienstes NHS, an welcher 100 Jugendliche mit der Diagnose ME/CFS teilgenommen haben (Crawley et al., 2018 ⟶). Diese erste grossangelegte Studie zum Lightning Process konnte dessen Wirksamkeit bei ME/CFS bestätigen. Weitere veröffentlichte Peer-Review-Pilotstudien bestätigen die Wirkung auch bei Long Covid, chronischen Schmerzen und Multipler Sklerose. Alle wissenschaftlichen Studien zur Wirksamkeit des Lightning Process findest du hier ⟶
Unsere Gedanken verändern unseren Körper. Forschungen der Neurologie und Psychoneuroimmunologie zeigen, dass unsere Gedanken fast alle Bereiche unserer Physiologie beeinflussen. Eine der vermutlich überraschendsten Erkenntnisse ist der Nachweis, dass sogar Muskeln alleine durch Gedanken gestärkt werden können, ohne dass sie tatsächlich bewegt werden. In einer Studie der Cleveland Clinic Foundation in Ohio wurden Versuchspersonen angewiesen, sich in täglichen Sequenzen Muskel-Kontraktionen vorzustellen, während durch Messungen der Muskelaktivität sichergestellt wurde, dass sie die Muskeln dabei nicht bewegten oder anspannten. Nach vier Wochen konnte bei mental trainierten Bizeps-Muskeln ein durchschnittlicher Kraftzuwachs um 13.5 % festgestellt werden, während die Kraft des kleinen Fingers sogar um 35 % gesteigert wurde (Ranganathan et al., 2004 ⟶).
Am besten bekannt ist die Wechselwirkung zwischen kognitiven und körperlichen Prozessen in Bezug auf den Einfluss von Erwartungen auf die Wirkung von Medikamenten und Therapien. So muss vor jeder Zulassung eines Medikaments nachgewiesen werden, dass dessen Wirkung stärker ist als jene eines Placebos. Oder anders gesagt: Dass sie stärker wirken als der Glaube an ihre Wirkung. Dies ist der direkte Nachweis dafür, dass alleine unsere Gedanken körperliche Vorgänge beeinflussen und Heilungsprozesse auslösen können. In einer Meta-Analyse schrieben Angelika Kunkel und Ulrike Bingel von der Universitätsklinik Essen, dass bei der Behandlung von Schmerzen «bis zu 70 % des gesamten Therapieerfolgs auf Placeboeffekte zurückgeführt werden können» (Kunkel & Bingel, 2023 ⟶). Das heisst, dass unsere Erwartungen bei der Behandlung von Schmerzen deutlich wichtiger sind als die eigentlichen Wirkstoffe von Schmerzmitteln.
Die Wirkung von Placebos lässt sich im Körper direkt nachweisen – zum Beispiel als sichtbare Veränderungen in der Schmerzverarbeitung des Gehirns. In einer Studie der Universitätsklinik Hamburg untersuchten Forschende die Gehirnaktivität von Probanden bei Schmerzreizen auf dem Handrücken. Dabei wurde die Hand mit einer angeblich stark schmerzlindernden Creme eingecremt, was bei der Hälfte der Probanden zu einer sichtbaren Aktivierung von Gehirnarealen führte, welche für die Freisetzung von körpereigenen Opioiden zuständig sind – obwohl die Salbe keinerlei Wirkstoff enthielt (Bingel et al., 2006 ⟶). Eine Folgestudie konnte feststellen, dass bereits die Nervenzellen im Rückenmark bei einem gleich starken Schmerzreiz weniger aktiv reagierten, wenn eine Schmerzlinderung erwartet wird, was zeigt, dass Gedanken bereits auf die frühesten Stufen der Schmerzverarbeitung im Nervensystem wirken (Eippert et al., 2009 ⟶). Fabrizio Benedetti (2014 ⟶), Professor für Neurowissenschaften an der Universität Turin, stellt in seiner Review fest, dass unsere Erwartungen vermutlich über dieselben Botenstoffe im Körper wirken wie Medikamente und gemeinsame biochemische Signalwege nutzen. Weitere spannende Placebo-Studien findest du hier ⟶
Auch emotionale Zustände beeinflussen körperliche Prozessse, insbesondere das Immunsystem. Forschende an der Universität Wisconsin liessen in einer Studie 52 Personen über sehr positive und sehr negative biograifische Lebenserfahrungen schreiben, während sie deren Hinraktivität und Schrekreaktion massen. Den Probanden wurde anschliessend eine Grippeimpfung verabreicht und sechs Monate später die Antikörper-Antwort im Blut gemessen. Dabei zeigte sich, dass Teilnehmende, welche die negativen Emotionen intensiver und mit mehr Stress erlebten, deutlich weniger Antikörper produzierten (Rosenkranz et al., 2003 ⟶). Eine jüngere Studie aus Kanada untersuchte die unmittelbare Auswirkung von Emotionen auf die Genexpression des Immunsystems. Dabei berichteten 90 Jugendliche zweimal im Abstand von fünf Wochen über ihren emotionalen Zustand und gaben Blutproben ab. Die Ergebnisse zeigen, dass eine Zunahme an negativ bewerteten Emotionen mit einer verstärkten Expression von antiviralen und entzündungsfördernden Genen in weissen Blutkörperchen einher geht, welche zu einer Überreaktion des Immunsystems führen können, während eine Zunahme von positiven Emotionen diese Genexpression verminderte. Belastende emotionale Zustände begünstigen somit chronische Entzündungen und eine Dysregulation des Immunsystems. Interessant: Ein allgemein stärkeres Erleben der Emotionen, sowohl der positiv als auch negativ bewerteten, korrelliert mit einer geringeren Expression der untersuchten Gene. Ein intensiveres Gefühlserleben führt also zu einer besser regulierten Immunantwort (Rahal et al., 2023 ⟶).
Anhaltende Stress- und Bedrohungszustände zeigen sich als wesentliche Faktoren, die zu chronischen Erkrankungen beitragen. Eine umfassende Review von Bower und Kuhlman (2023 ⟶) beleuchtet, wie psychosozialer Stress Entzündungsprozesse im Körper moduliert und durch einen erhöhten Cortisolausstoss das Immunsystem dämpft. Chronischer Stress unterdrückt somit die Immunantwort und erhöht die Anfälligkeit für Infektionen. Zu demselben Schluss kommt auch eine systematische Review im British Medical Bulletin, welche die Ergebnisse aus 75 Studien zwischen 2003 und 2023 zusammenfasst und zeigt: Belastende emotionale Zustände wie chronischer Stress verringern die Aktivität bestimmter Immunzellen und erhöhen Entzündungsmarker sowie die Anfälligkeit für Infektionen und Autoimmun-erkrankungen. Aber auch: Achtsamkeit, Innenarbeit und Yoga reduzieren Entzündungen und stärken die Immunresilienz (Niharika et al., 2024 ⟶).
Die wichtigste Erkenntnis ist: Wir können innere Zustände verändern – und damit die Funktionsweise unsers Nervensystem, welches alle körperlichen Prozesse steuert. Unser Gehirn ist aufgrund der Neuroplastizität extrem anpassungsfähig und modulierbar. Indem wir Ansätze lernen, die uns helfen, mentale und emotionale Prozesse bewusst zu lenken, können wir die Art unseres Denkens und unserer Emotionsverarbeitung verändern – und damit unmittelbar auf unser Immunsystem einwirken. Aufbauend auf die oben erwähnten Studie, in der Probanden vor einer Grippeimpfung emotionale biografische Erlebnisse beschrieben, untersuchten Forschende, was passiert, wenn die Teilnehmenden eine Meditationspraxis annehmen. Die Studie zeigte: Nach nur acht Wochen Achtsamkeitsmeditation verschob sich die Hirnaktivität im präfrontalen Kortex von rechts nach links – hin zu einem positiveren Affektiven Stil. Dies ging mit einer signifikant stärkeren Antikörper-Antwort auf die Grippeimpfung einher. Und die Teilnehmenden, welche die grösste Zunahme linksseitiger Aktivierung zeigten, produzierten auch die höchsten Antikörper-Spiegel im Blut (Davidson et al., 2023 ⟶).
Die gut dokumentierte und in der psychoneuroimmunologischen Forschung immer besser verstandene enge Verbindung zwischen inneren Zuständen und körperlichen Prozessen ist der feste wissenschaftlichen Boden, auf welchem der Lightning Process aufbaut. Der Lightning Process lehrt einfache, kraftvolle Werkzeuge zur Einflussnahme auf körperliche Prozesse über die gezielte Veränderung mentaler und emotionaler Zustände und die bewusste Nutzung der Verbindung zwischen Gehirn, Geist und Körper. Er nutzt dabei das Prinzip der Neuroplastizität, also die Fähigkeit des Gehirns, sich durch Erfahrung und bewusste Einflussnahme schnell und nachhaltig zu verändern, und so die Körperreaktionen neu zu kalibrieren. Durch sanfte Bewegungen, mentales Training und gezielte Entspannungstechniken unterstützt das Programm den Abbau von chronischem Stress und die Aktivierung der natürlichen Selbstheilungskräfte. Die Wirksamkeit des Lightning Process wurde bereits in zahlreichen wissenschaftlichen Studien nachgewiesen ⟶
Wissenschaftliche Quellen
Benedetti F. (2014). „Placebo effects: from the neurobiological paradigm to translational implications.“ Neuron 84(3):623–637, DOI: 10.1016/j.neuron.2014.10.023
Bingel U, Lorenz J, Schoell E, Weiller C, Büchel C. (2006). „Mechanisms of placebo analgesia: rACC recruitment of a subcortical antinociceptive network.“ Pain, 120(1-2):8-15. DOI: 10.1016/j.pain.2005.08.027
Bower JE, Kuhlman KR. (2023). „An Introduction to Immune-to-Brain Communication and Its Implications for Clinical Psychology.“ Clinical Psychology Volume 19, 2023 Vol. 19:331-359. DOI: 10.1146/annurev-clinpsy-080621-045153
Crawley EM, Gaunt DM, Garfield K, Hollingworth W, Sterne JAC, Beasant L, Collin SM, Mills N, Montgomery AA. (2018). „Clinical and cost-effectiveness of the Lightning Process in addition to specialist medical care for paediatric chronic fatigue syndrome: randomised controlled trial.“ Arch Dis Child. 2018 Feb;103(2):155-164. DOI: 10.1136/archdischild-2017-313375
Davidson RJ, Kabat-Zinn J, Schumacher J, Rosenkranz M, Muller D, Santorelli SF, Urbanowski F, Harrington A, Bonus K, Sheridan JF. (2003). „Alterations in brain and immune function produced by mindfulness meditation.“ Psychosom Med. 2003 Jul-Aug;65(4):564-70. DOI: 10.1097/01.psy.0000077505.67574.e3
Eippert F, Finsterbusch J, Bingel U, Büchel C. (2009). „Direct Evidence for Spinal Cord Involvement in Placebo Analgesia.“ Science, 326(5946):404. DOI: 10.1126/science.1180142
Kunkel A, Bingel U. (2023). „Placeboeffekte in der Schmerztherapie. Einfluss der Erwartung auf die Wirksamkeit und Verträglichkeit schmerzmedizinischer Behandlungen.“ Schmerz 2023, 37:59–71, Springer Medizin. DOI: 10.1007/s00482-022-00685-3
Niharika L, Sharma M, Babu VS, Chahare VW. (2024) „The Mind-Body Connection in Stress and Immunity: A Systematic Review“ European Journal of Cardiovascular Medicine, vol. 14, no. 6, 2024, pp. 303-306. DOI: 10.5083/ejcm
Rahal D, Tashjian SM, Karan M, Eisenberger N, Galván A, Fuligni AJ, Hastings PD, Cole SW (2023). „Positive and negative emotion are associated with generalized transcriptional activation in immune cells.“ Psychoneuroendocrinology, Volume 153, DOI: 10.1016/j.psyneuen.2023.106103
Ranganathan VK, Siemionow V, Liu JZ, Sahgal V, Yue GH. (2004). „From mental power to muscle power—gaining strength by using the mind.“ Neuropsychologia, 42(7), 944–956. DOI: 10.1016/j.neuropsychologia.2003.11.018
Rosenkranz MA, Jackson DC, Dalton KM, Dolski I, Ryff CD, Singer BH, Muller D, Kalin NH, Davidson RJ. (2003). „Affective style and in vivo immune response: Neurobehavioral mechanisms“, Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A. DOI: 10.1073/pnas.1534743100